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Hedgingroulette führt zu Billiganbieter-Pleiten – Händler

GasStrom

04 Feb 2019 12:34

Foto: Things, Shutterstock.com

Foto: Things, Shutterstock.com

Berlin

04 Feb 2019 12:34

(Montel) Billiganbieter sichern ihre Lockangebote für Kunden nicht ausreichend am Terminmarkt ab, womit der starke Großhandelspreisanstieg wesentlich zu den Insolvenzverfahren von DEG und BEV beigetragen hat, sagten mehrere Marktteilnehmer zu Montel.

„Das ist kein Geschäftsmodell, das ist russisches Roulette“, beschrieb ein Händler eines Stadtwerks das Verhalten von Billiganbietern für Strom und Gas.

Kurz vor Weihnachten hatte die DEG Deutsche Energie mit 50.000 Kunden einen Insolvenzantrag gestellt, die BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mit 500.000 Kunden dann Ende Januar.

Zuvor hatte etwa die BEV selbst bei Kunden, die noch eine Preisgarantie hatten, höhere Tarife durchsetzen wollen und dabei angeführt, dass in den vergangenen zwei Jahren die Beschaffungskosten an der EEX um mehr als 50% gestiegen seien.

Der Billiganbieter hatte sich offensichtlich nicht ausreichend gegen einen solchen Preisanstieg am Großhandelsmarkt abgesichert, was laut Marktteilnehmern typisch für solche Akteure ist: Sie setzen auf niedrige oder fallende Kurzfristpreise im Großhandel, um mit ihren Kundenlieferungen früher oder später etwas verdienen zu können.

Normalerweise müsse ein Versorger die an Kunden zugesicherten Lieferungen zumindest größtenteils direkt am Terminmarkt hedgen, um die eigene Marge gegen steigende Großhandelspreise abzusichern, sagte ein Stadtwerke-Händler. Täten die Billiganbieter das, wären sie aber teurer, fügte er hinzu.

„Das ist schon ein anderes Geschäftsgebaren als das der seriösen Energieanbieter am Markt“, sagte Thorsten Kasper, Energiereferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband, zur BEV, die mit hohen Bonusversprechen auf Kundenfang gegangen sei.

Bei der im Großkundengeschäft aktiven DEG sorgte laut einem im August 2018 veröffentlichten Geschäftsbericht für 2016 eine „kurzfristige Beschaffungsstrategie“ dafür, dass das Unternehmen von „niedrigen Börsenpreisen“ profitieren konnte.

Billiger als die Börse
Allerdings schrieb das Unternehmen Kundenangebote oftmals noch unter den Börsenpreisen.

„Die DEG hat [in Ausschreibungen] über weite Strecken beim Strom und beim Gas unter Markt angeboten, auch unter Großhandelsnotierungen“, sagte ein Experte eines großen deutschen Energieberatungshauses, das als Mittler zwischen Großkunden und Strom- und Gasanbietern auftritt.

Dies bestätigten mehrere Marktteilnehmer und sprachen von bis zu 5 EUR/MWh, die die DEG in Ausschreibungen günstiger als die Wettbewerber anbot, und sich damit viele Zuschläge, etwa bei vielen Kommunen oder dem Deutschen Bundestag, sicherte.

Ein derart starkes Unterbieten der Konkurrenz sei aber allein mit schlanken Strukturen nicht zu schaffen und lasse sich auch mit bereits günstig eingekauften Mengen nicht logisch erklären, hieß es.

„Die Standardantwort [der DEG auf Nachfragen] war: wir haben uns günstig eingedeckt und können das jetzt an unsere Kunden weitergeben. Das macht aber keinen Sinn, weil ich dann direkt im Großhandel verkaufen könnte und eine größere Marge hätte“, sagte der Energieberater.

„Natürlich müssen die eine Geschichte erfinden, um dem Kunden zu suggerieren, dass sie so niedrig anbieten können“, sagte ein Händler eines Regionalversorgers, der seit der Insolvenz eine Rückkehr von 90% der an die DEG verlorenen Kundenvolumina gesehen hat.

Zeitdruck
Dabei standen Großkunden, die an eine höhere Netzebene angeschlossen sind, unter Zeitdruck: Während Haushaltskunden in die Grundversorgung zurückfallen und so sicher, wenn auch vergleichsweise teuer, weiter Strom und Gas erhalten, müssen Großkunden binnen weniger Tage einen neuen Anbieter finden, sonst kann der Netzbetreiber die Lieferungen einstellen.

Als die DEG-Kunden Ende Dezember kurzfristig Ersatzversorger finden mussten, kostete das Frontjahr am Großhandelsmarkt mehr als 55 EUR/MWh. Ein halbes Jahr vorher waren es 12 EUR/MWh weniger gewesen. 2016 hatte der Kontrakt zeitweise unter 21 EUR/MWh gehandelt.

Eine ähnliche Entwicklung zeigten die Gaspreise, wo der der Day-Ahead Im Marktgebiet NCG 2016 im Schnitt gut 14 EUR/MWh kostete und 2018 dann rund 9 EUR/MWh mehr.

Weder DEG noch BEV wollten sich gegenüber Montel äußern.

Der österreichische Anbieter Envitra Energiehandel, bei dem DEG-Chef Tillmann Raith laut Unternehmensangaben auch Geschäftsführer ist, agiere unabhängig und sei vom Insolvenzantrag der DEG nicht betroffen, teilten die Wiener Montel mit.

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