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Grüne, Umweltgruppen verurteilen Hitze-Ausnahmen

StromPolitikWetter

01 Aug 2018 12:55

Foto: Roger Fry

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01 Aug 2018 12:55

(Montel) Deutsche und französische Umweltgruppen und Politiker haben in dieser Woche Ausnahmen kritisiert, die Kraftwerksbetreibern auch bei Wassertemperaturen oberhalb von 28 Grad Celsius die Kühlung ihrer Anlagen erlauben.

Deutsche und französische Umweltgruppen und Politiker haben in dieser Woche Ausnahmen kritisiert, die Kraftwerksbetreibern auch bei Wassertemperaturen oberhalb von 28 Grad Celsius die Kühlung ihrer Anlagen erlauben.

Versorger müssten sich an entsprechende Grenzwerte halten, sagte Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen, die auch Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag ist.

„Ausnahmen kann es nur in absoluten Notfällen geben“, sagte Kotting-Uhl zu Montel. Mit den Klimaveränderungen drohten Notfälle allerdings zur Norm zu werden, fügte sie hinzu.

Ein Großteil der Steinkohle- und Kernkraftwerke in Baden-Württemberg hatte zuletzt zeitlich befristete Ausnahmegenehmigungen erhalten, mit denen Flusswasser auch bei Temperaturen oberhalb von 28 Grad zur Kühlung genutzt werden kann.

Die Grenze gilt im Allgemeinen als kritisch für das Wildleben in Flüssen und droht vielerorts inmitten einer längeren Hitzewelle überschritten zu werden.

Die Ausnahmegenehmigungen gelten für Kraftwerke entlang des Rheins, wie beispielsweise das Kraftwerk GKM (1.958 MW), Philippsburg 2 (1.402 MW) und RDK (1.351 MW), so das Umweltministerium in Baden-Württemberg.

Allerdings werde die Einsatzreihenfolge der einzelnen Blöcke unter Abwägung des Gewässerschutzes festgelegt, sagte Behördensprecher Frank Lorho und verwies zusätzlich darauf, dass die Anforderung der Blöcke durch den ÜNB TransnetBW erfolgen müsse.

„Außergewöhnliche Umstände“
In Frankreich könnten die Temperaturlimits unter der Angabe von „außergewöhnlichen Umständen“ ebenfalls erhöht werden, sagte Thierry Caquet vom französischen Institut für Landwirtschaftsforschung.

Diese Änderungen blieben in Effekt, so lange das Stromnetz stabilisiert werden müsste. „In diesem Fall muss sich der Betreiber des Kernkraftwerks nicht an die Grenzwerte von Regulierern halten“, sagte Caquet.

In den meisten Flüssen in Frankreich liegt das Limit bei 28 Grad, wobei die Temperatur der Rhone in dieser Woche bis auf 29 Grad steigen sollte, sagten Analysten von Wattsight.

Bisher sind die Reaktoren St Alban und Bugey von Kühlproblemen betroffen.

Abschaltung notwendig?
„Diese 28 Grad sind schon sehr großzügig für die Kraftwerksbetreiber. Eigentlich sollte man die Kraftwerke schon früher runterfahren“, sagte Gottfried May-Stürmer, Referent für Wasser- und Landwirtschaft der Naturschutzorganisation BUND in Baden-Württemberg.

Andere Beobachter fürchteten zudem, dass die Ausnahmen das Preissignal im Strommarkt verzerren könnten.

Derzeit gebe es noch keinen erkennbaren Grund, um die Kraftwerke mit einer Ausnahmegenehmigung am Netz zu halten, sagte Robin Girmes von EnergyWeather. „Es deutet noch nichts auf eine Stromknappheit in Deutschland hin.“

Mehrere deutsche Versorger und die Landesregierung in Baden-Württemberg wiesen dagegen auf die Versorgungssicherheit hin, die auch durch die Ausnahmen gewährleistet würde.

„Die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen dient ausschließlich zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Also auch wenn ein Kraftwerk eine Ausnahmegenehmigung hat, darf es diese nur in Anspruch nehmen, wenn und soweit es für die Versorgungsicherheit des Landes erforderlich ist“, so Lorho.

Zudem werde die Temperaturgrenze auch mit den Ausnahmen nur bis auf 28,5 Grad erhöht, fügte er hinzu.

Derzeit beträgt die Temperatur im Rhein bei Karlsruhe knapp 27 Grad und im Neckar bei Mannheim 26 Grad.

ENBW-Überwachung
„Die Kraftwerke der ENBW werden grundsätzlich so betrieben, dass zum Schutz der Gewässerökologie die Wärmeabgabe in die Fließgewässer so gering wie möglich gehalten wird. Zudem findet ein begleitendes Gewässermonitoring an den betroffenen Standorten statt“, teilte die Unternehmenskommunikation von ENBW auf Anfrage von Montel mit.

Das Kühlwasserproblem werde mit der zunehmenden Erderwärmung allerdings immer häufiger vorkommen, sagte Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen. „Sondergenehmigungen für die Kühlwasserentnahme lösen das Problem nicht.“

Nach aktuellem Stand könnte 2018 das viertheißeste Jahr der Geschichte werden, nach den Jahren 2015, 2016 und 2017.

„Es gibt aktuell eine Debatte zum Klimawandel und dem daraus resultierenden Effekt auf Wassertemperaturen, mit denen die außergewöhnlichen Umstände zu normalen Umständen werden könnten“, sagte Caquet.

„Darauf müssen wir reagieren, mit einer Modernisierung der Stromnetze, mehr Solarenergie und einer Steigerung der Flexibilität, etwa durch Speicher“, forderte Krischer.

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