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Deutschland wirbt um Südafrikas Kohle als Russland-Ersatz

Kohle

14 Mar 2022 14:01

Foto: Laurence Walker

Foto: Laurence Walker

London

Berlin

14 Mar 2022 14:01

(Montel) Die deutschen Pläne, noch dieses Jahr unabhängig von russischer Kohle zu werden, haben auf dem Markt die Bemühungen um Alternativen verstärkt, sagten Marktteilnehmer. Südafrika gilt demnach als aussichtsreiches Ersatzlieferland.

Deutschlands Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hatte am Wochenende angekündigt, dass das Land bis zum Herbst unabhängig von russischer Kohle sein will. Bisher ist Russland der Hauptlieferant mit einem Anteil von 50-70%.

„Bei der Kohlelieferung ist es sicher so, dass die Liefermöglichkeiten am weitesten diversifiziert sind. […] Dort ist eine Abkehr von russischen Importen sicher am einfachsten möglich. […] Wir sind dort in Verhandlungen und in Überlegungen, diese Abhängigkeit kurzfristig zu reduzieren“, sagte Ministeriumssprecher Robert Säverin am Montag in der Regierungspressekonferenz dazu auf Montel-Anfrage. Konkrete Alternativlieferländer nannte er aber nicht.

„Südafrika wird aus meiner Sicht davon am meisten profitieren“, sagte ein Kohlehändler eines großen deutschen Versorgers. Er verwies darauf, dass Südafrika seine Exporte der von den europäischen Versorgern geforderten hochwertigen Kohle erhöhen könne, wenn die Preise länger hoch blieben.

Schon unmittelbar nachdem das russische Militär Ende Februar in die Ukraine einmarschiert war, hatten deutsche Versorger ihre Kohlehändler nach Südafrika geschickt, um dank der hohen Preise und der Aussicht auf langfristige Abnahme Mengen abzuwerben. Normalerweise kaufen Kunden im asiatisch-pazifischen Raum verlässlich die südafrikanische Kohle.

Aber selbst mit Preisen, die fünf Mal höher sind als vor einem Jahr, haben die südafrikanischen Bergbauunternehmen Schwierigkeiten, ihre Exporte nach Europa – zumindest im nachgefragten Umfang – zu erhöhen, sagten Marktteilnehmer.

Deutschland importierte 2021 gut 25 Mio. t an Kraftwerkskohle, wovon nach Schätzungen des Vereins der Kohlenimporteure 70% oder rund 17,5 Mio. t aus Russland stammten.

Kohleausstieg 2030
Allerdings dürfte die deutsche Steinkohlenachfrage in Richtung 2030 sinken, da die Bundesregierung trotz der Energiekrise an ihrem Plan festhält, den Kohleausstieg bis dahin zu vollenden.

„Es wird nicht wieder wie 2007/08 sein, als 70% der südafrikanischen Mengen zu guten Preisen nach Europa gingen”, sagte Xavier Prevost vom Beratungshaus XMP Consulting aus Pretoria.

Er merkte an, dass die europäischen Versorger nur hochwertiges Material mit 6.000 kcal/kg wollten. Solche Wertigkeiten habe es in den vergangenen Jahren aber weniger gegeben, da Südafrika seine Exporte nach Indien und in andere asiatische Länder gesteigert habe. Diese Länder wollten Kohle mit niedrigerem Brennwert.

Auch gingen die Flöze mit hochwertiger Kohle, die profitabel abgebaut werden kann, zur Neige.

„Das Problem ist, dass wir nicht so viel hochwertige Kohle haben”, sagte Prevost. Außerdem gebe es noch Bahntransportengpässe in Richtung des Exporthafens Richards Bay.

Richtige Anreize
„Mit dem richtigen Anreiz“ könnte Südafrika aber womöglich mehr hochwertige Kohle fördern und bis zu 40% seiner Exporte – rund 24 Mio. t – in Richtung Europa schicken, fügte er hinzu.

Das Kohleterminal Richards Bay, das den Großteil der südafrikanischen Kraftwerkskohle-Exporte abfertigt, verließen 2021 fast 60 Mio. t Kohle, so Schiffsdaten von VesselsValue.

Davon gingen rund 3 Mio. t zu Zielen in Westeuropa, darunter die Niederlande, Italien, Großbritannien, Frankreich und Dänemark.

Seit Anfang Februar dieses Jahres sind bereits sechs Frachter mit zusammen 640.000 t Steinkohle zu europäischen Häfen aufgebrochen – mehrheitlich nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Insgesamt sind über das Terminal in diesem Jahr bisher 6,6 Mio. t Kohle exportiert worden.

Ein Kohlehändler in Johannesburg sagte, dass die Bemühungen Europas, keine russische Kohle mehr zu beziehen, für die Exporte über Richards Bay unterstützend wirken würden.

„Die Kohlequalität ist über die Zeit gesunken, aber wenn der Preis für längere Zeit über 150 USD/t bleibt und die Nachfrage nach der Qualität – typischerweise aus Europa – hoch bleibt, dann würde dies auch eine höhere Förderung [von hochwertiger Kohle] anreizen“, sagte er.

„Das kann schnell gehen, wenn die Nachfrage da ist“, fügte er hinzu.

Anfang Februar hatte Montel berichtet, dass Südafrika in diesem Jahr seine Kohlexporte bisher gesteigert hat. Allerdings hieß es, dass die niedrigen Lagerbestände und zu wenig hochwertiges Material es erschweren sollten, einen kurzfristigen Ausfall russischer Mengen in Europa aufzufangen.

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