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Deutscher Markt für Herkunftsnachweise braucht Jahre – BDE

StromErneuerbare

07 Oct 2020 11:15

Photo: Pixabay

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Berlin

07 Oct 2020 11:15

(Montel) Der Aufbau eines deutschen Angebotsmarktes für Herkunftsnachweise (HKN) wird Jahre brauchen, auch wenn schon nächstes Jahr Anlagen aus der Erneuerbaren-Förderung fallen, sagten die neuen Geschäftsführer des Ökostromdienstleisters Bischoff & Ditze Energy (BDE) im Montel-Interview.

„Wir stehen hier noch ganz am Anfang von der Debatte und der Markt etabliert sich erst. Da muss sich in Deutschland einfach erst einmal der Markt finden, andere Länder sind uns da voraus“, sagte Julia Pösl, die zusammen mit Malte Mertens im Spätsommer die Geschäftsführung bei den Hamburgern übernommen hat.

„Bei den Anlagen, die da [aus der Förderung] rauskommen, ist das ja eine Grenzkostenfrage. Welche Anlagen sind denn überhaupt dazu in der Lage, den HKN-Markt zu bedienen, wenn sie 20 Jahre alt sind?“, ergänzte Mertens.

„Es braucht noch ein paar Jahre, bis wir überhaupt volumentechnisch und von der Marktreife in der Lage sind, in bestimmten Mengen wirklich aussagekräftig einen Markt zu bedienen“, sagte er.

Zwar gebe es für Grünstrom aus deutschen Anlagen – wie jetzt schon bei der Wasserkraft – grundsätzlich eine höhere Zahlungsbereitschaft, aber die Anlagenbetreiber müssten erst einmal herausfinden, welche HKN-Erlöse sie brauchen und was auf einem bislang von nordischen Zertifikaten dominierten und etablierten Markt mit einem deutschen HKN-Produkt möglich ist.

„Es ist kein Selbstgänger, dass ich ein 5-EUR-Produkt entwickeln kann“, sagte Mertens angesichts von Preisen für nordische Wasserkraftzertifikate von zuletzt weniger als 0,40 EUR/MWh für die nächsten Jahre. Für die Abnehmer der Nachweise sei die Herkunft zudem oft nur ein Teilaspekt beim Kauf.

Flexibilität
Die Schwierigkeit, die Vorstellungen von Anlagenbetreibern und Grünstromeinkäufern in Einklang zu bringen, zeige sich auch beim Thema Langfristbezugsverträge (PPA) und den bisher eher sporadischen Abschlüssen für aus der Förderung fallende Anlagen.

„Das PPA-Thema ist zwar in aller Munde auf der einen Seite, auf der anderen Seite möchten die Kunden aber schon ganz gern eine größere Flexibilität beim Einkauf der Strommengen zu überschaubaren Risiken. Das ist der Spagat“, sagte Pösl.

PPA funktionierten im Kern wie langfristige HKN-Verträge, was aber die Verteilung des Preis- und Mengenrisikos zwischen beiden Seiten erschwere.

Grundsätzlich steige die Nachfrage nach Ökostromprodukten aber kontinuierlich und Herkunftsnachweise böten dafür eine anerkannte Grundlage mit einer transparenten Nachweisführung, so Pösl.

Börsentauglichkeit
Zweifel äußerten Pösl und Mertens daran, ob sich für Herkunftsnachweise ein Börsenprodukt als Referenz entwickeln lässt.

„Der Markt wünscht sich in gewisser Weise eine Preisreferenz. Wir sind hier aber eben nicht in einem standardisierten Bereich und da ist nicht so einfach etwas anzubieten“, sagte Pösl.

Mertens ging davon aus, dass der Markt in absehbarer Zeit unter anderem mit Plattformen wie Enmacc oder dem Green Power Hub, an dem Montel Anteile hält, vom OTC-Handel geprägt bleibt.

Herkunftsnachweisprodukte entwickelten sich eher in Richtung spezifischer Mehrwertprodukte, mit denen die Käufer eine bestimmte Geschichte vermitteln wollten, sagte Mertens. Sein Unternehmen importierte 2006 nach eigenen Angaben als erstes Herkunftsnachweise nach Deutschland und sieht sich heute als einer der Marktführer in dem Bereich.

Auf der Kundenseite wüchsen für das Unternehmen derzeit unter anderem die globale Bilanzierung von Ökostrombezug für Unternehmen sowie das Thema Herkunftsnachweise für grünen Wasserstoff als Zukunftsthemen heran, so Pösl.

In Deutschland fallen ab dem kommenden Jahr Erneuerbaren-Anlagen aus der Förderung. Allein bei der Windkraft an Land geht es bis 2025 um 16 GW, deren Bestand gefährdet ist, warnte der Bundesverband Windenergie am Dienstag. Die Anlagen haben ohne Förderung Anspruch auf Herkunftsnachweise für ihre Produktion, während das deutsche Angebot bisher vorrangig auf alte Wasserkraft beschränkt gewesen ist.

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